Erfahrungsbericht Canon EOS 7D Mark II

Bild: Canon

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Ich hatte die neue 7D Mark II jetzt einige Monate zum Testen für mein neues Kamerahandbuch. An dieser Stelle möchte ich Euch meine Eindrücke zu diesem APS-C-Topmodell schildern.

Informationen dazu, was die Kamera mit Blick auf die Bildqualität leistet, sind ja schon in Hülle und Fülle im Netz zu finden. Deshalb gibt es hier keine Abhandlungen zum Rauschverhalten und auch keine Test- und Vergleichsbilder. Auch über den hervorragenden Autofokus ist schon viel geschrieben worden. Die Kamera spielt eben besonders in der Wildlife-, Sport- und Actionfotografie ihre Vorteile aus.

Natürlich stoßen diese Themen bei einer neuen Kamera auf großes Interesse. Fast genauso interessant finde ich jedoch einige hilfreiche Funktionen, die das Fotografieren ein wenig leichter machen. Ein paar davon gibt es zwar bereits an der 5D Mark III, aber in einigen Bereichen liegt die 7D Mark II vorne.

Nützliche Funktionen

Sehr nützlich finde ich zum Beispiel die Funktionen, mit der ihr im Av-Programm genauere Vorgaben zur gewünschten Belichtungszeit machen könnt. Ein Beispiel: Die voreingestellte Blende ist 8 und die Kamera schlägt eine Belichtungszeit von 1/100 s mit ISO 200 vor. Dies ist ein typisches Szenario, wenn ihr mit 100 mm Brennweite fotografiert. Die Automatik geht recht konservativ nach der Regel Belichtungszeit = 1/Brennweite vor und passt den ISO-Wert entsprechend an.

Bereits in der 5D Mark III und der 70D gab es die Möglichkeit, eine Mindestverschlusszeit vorzugeben, also etwa 1/160 s. Wenn über den ISO-Wert noch weiteres Potenzial besteht, wählt die Automatik sogar eine noch kürzere Belichtungszeit. Diese Funktion ist sehr hilfreich, wenn man im Eifer des Gefechts, etwa bei einem Porträtshooting, nicht immer die Belichtungswerte prüfen will. Trotzdem hat man über die Steuerung der Blende weiterhin die volle Kontrolle über die Schärfentiefe.

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Neben dieser Fixierung auf eine Mindestverschlusszeit gibt es bei der 7D Mark II nun auch eine Möglichkeit, variabel einen Sicherheitsaufschlag auf die Belichtungszeit festzulegen. Dazu gibt man an, um wie viele Blendenstufen die Belichtungszeit kürzer (oder auch länger) als normal ausfallen soll. Diese Funktion finde ich extrem hilfreich, denn ansonsten entscheidet sich die Kamera für meinen Geschmack häufig für eine zu lange Belichtungszeit. Besonders bei Aufnahmen ohne Bildstabilisator fällt das negativ auf. Ein Beispiel: In der Grundeinstellung entscheidet sich die Automatik für 1/100 s, mit einer Blendenstufe als Aufschlag wählt sie 1/200 s, bei zwei Blendenstufen 1/400 s und bei drei Blendenstufen 1/800 s. Der ISO-Wert steigt dabei natürlich entsprechend an. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Verkürzung der Belichtungszeit um eine Blendenstufe in vielen Situationen eine gute Wahl ist.

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Tastenbelegung individuell steuern

Außerdem lassen sich die Tasten der 7D Mark II nun noch wesentlich besser belegen. Beispielsweise ist es möglich, auf die AF-Lock-Taste komplett neue Autofokus-Einstellungen zu legen. Ein Druck auf die Taste aktiviert dann zum Beispiel den AI Servo Modus mit automatischer Messfeldwahl, Case 2 mit erhöhter AI Servo Reaktion und so weiter. Mit einem einzigen Tastendruck lässt sich die Kamera also komplett umkonfigurieren. In diesem Ausmaß war das bislang nur über die Speicherung auf die Programme C1, C2 oder C3 möglich. Selbst bei der 5D Mark III lassen sich Autofokus-Änderungen bislang nur in abgespeckter Version auf einzelne Kameratasten legen. Ich habe die Hoffnung auf ein Firmware-Update aber noch nicht komplett aufgegeben…

Sucheranzeigen selbst festlegen

Sehr nützlich sind auch die Sucheranzeigen. Im Prinzip kann man sich sämtliche Infos vom Rückdisplay auch im Sucher anzeigen lassen. Dabei lässt sich relativ frei konfigurieren, was zu sehen ist. Als RAW-Nutzer interessieren mich hier aber nur die Anzeigen für Betriebsart (Einzelbild oder Reihenaufnahme), AF-Modus (One Shot oder AI Servo) und vielleicht noch das eingestellte Programm. Auch die Wasserwaage, die sich oben im Sucher einblenden lässt, ist wesentlich praktikabler als die Version in der bisherigen 7D.

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Timelapse – nette Zusatzfunktion

Ein weiteres nützliches Komfortfeature ist das eingebaute Intervallometer. Die Kamera schießt innerhalb eines frei wählbaren Intervalls so viele Bilder, wie gewünscht. Das funktioniert wesentlich unkomplizierter als bei den externen Geräten, die es für diesen Zweck von Canon und anderen Anbietern gibt.

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Kleiner Wermutstropfen

Das Warten hat sich also gelohnt. Die 7D Mark II ist eine tolle Kamera, die sich von anderen Cropkameras deutlich abhebt und sehr komfortables Arbeiten ermöglicht. Sie ist eine echte Wildlife- und Actionkamera und hat sogar gegenüber der 5D einige Vorteile. Zu meckern gibt’s nicht viel: Schade finde ich, dass Canon auf das Touchdisplay verzichtet hat. Gerade beim Filmen wäre es damit leichter möglich, den Autofokus zu setzen.

Was meint ihr zur neuen 7D Mark II? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.

Und hier geht’s zu meinem neuen Buch: Canon EOS 7D Mark II – Das Handbuch zur Kamera

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2 Gedanken zu “Erfahrungsbericht Canon EOS 7D Mark II

  1. Hallo Herr Dietmar Spehr,
    nachdem man nie nur eine Kamera erwirbt sondern letztlich ein System kauft bin ich über die Jahre bei Canon hängen geblieben (nebenbei gesagt gibt es Schlimmeres ). Mein Objektivpark ist mittlerweile ansehnlich und ist mit zwei Ausnahmen auf Vollformat ausgelegt. Dennoch habe ich bisher den Schritt zur VF nicht vollzogen, weil fuer mich die Qualität der APS – C ausreichend gewesen ist und ich den „gesparten“ Betrag immer in original Zubehör zu investieren wusste.
    Natuerlich war da die EOS 7 D MII das Objekt der Begierde. Allerdings ließ die Vorstellung der Kamera sehr lange auf sich warten was mich etwas frustrierte. Man wusste nicht ob sie überhaupt vorgestellt wird und wenn ja was sie letztlich im Gepäck hat. – Da wurde die 70 D vorgestellt. Nach anfänglichen Bedenken wurde ich schwach und kaufte die 70 D im Januar 2014. Ich war sofort von der Konzeption der Kamera begeistert und ich war mir bewusst das Canon da einen großen Wurf geleistet hatte. – Dennoch schielte ich weiterhin nach der 7 D M II. Als ich dann zur Photokina 2014 die 7 D M II das erste Mal in den Händen hielt, kam sie mir plötzlich riesig und schwer vor- so sehr hatte ich mich an die „kleine“ 70 D gewöhnt.
    Natuerlich hat die neue 7 D einige professionelle Einstellungen und Features mehr – aber ich hatte mich an das Klappdisplay („Profis brauchen das ja nicht“) und Touchfunktion des Displays ( toll bei Videoaufnahmen um den Schärfenpunkt zu setzen) und die Wifi – Option gewöhnt und diese Dinge in meinem Umgang mit der Kamera integriert. Ja, ich war ein wenig enttäuscht über die 7D Mark II und froh über meine damalige Bauchentscheidung zu Gunsten der 70 D.
    Ich denke, dass die 7D Mark II eine tolle Kamera ist die ihren Einsatzbereich zB in der professionellen Tier -und Sportfotografie findet und dort uns mit beeindruckenden Bildern überraschen wird. Das größere Kameragehäuse wird vielen „Männerhänden“ gefallen. Meiner Meinung nach ist aber fuer den ambitionierten „Amateur“ die 70 D die vernünftiger Wahl. Auch preislich rückt die 7D Mark II schon in den VF Bereich. Fuer mich persönlich bedeutet das, dass der nächste Schritt in Richtung VF geht. Mein System wartet und mein Objektivpark steht bereit. Ich hoffe nur, dass der Pixelwahn nicht so weitergeht und das unsere angestammten Objektive dem vorherrschenden Aufloesungshunger nicht zum „Opfer“ fallen. Erste Anzeichen dafuer gibt es ja schon beim Wettbewerb.
    MfG
    Rolf

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    • Das kann ich nachvollziehen. Die 70D ist auf jeden Fall eine tolle Kamera und – wenn es nicht unbedingt eine Action-Kamera sein muss – für viele Einsatzzwecke einfach die bessere Wahl. Ich arbeite selber gerne mit dieser Kamera und möchte auf das Klappdisplay nicht mehr verzichten.

      Liken

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